{"id":170,"date":"2024-06-12T16:41:10","date_gmt":"2024-06-12T14:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/?p=170"},"modified":"2024-06-12T16:42:00","modified_gmt":"2024-06-12T14:42:00","slug":"von-fuehrungskadern-und-schlechten-vorbildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/von-fuehrungskadern-und-schlechten-vorbildern\/","title":{"rendered":"Von F\u00fchrungskadern und schlechten Vorbildern"},"content":{"rendered":"\n<p>Es kommt nicht selten vor, dass ich mich dabei ertappe, wie ich den Kopf sch\u00fcttle \u00fcber den Irrsinn, der sich Tag f\u00fcr Tag im nationalen Spektrum so ereignet. Vieles davon ignoriere ich oder schaue erst einmal, wie es sich entwickelt und andere damit umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit einigen Wochen brodelt aber eine Geschichte vor sich hin, bei der ich das Gef\u00fchl habe, dass man da nicht so einfach wegsehen darf und sich trotzdem viel zu viele Leute in Zur\u00fcckhaltung \u00fcben, obwohl es direkt auf ihrem Schreibtisch liegen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eLasst uns erstmal abwarten, was er dazu sagt. Er ist in Haft. Er kann das sicher erkl\u00e4ren.\u201c<br>\u201eSein Anwalt ist immerhin \u201aeiner von uns\u2018 und war dabei. Das ist sicher alles abgesprochen gewesen.\u201c<br>\u201eEr hat nichts ausgesagt, was nicht schon nach Aktenlage klar war.\u201c<br>\u201eDa zerst\u00f6ren Leute sein Lebenswerk, und das ist er einfach nicht bereit hinzunehmen, also verteidigt er sich, und das ist v\u00f6llig richtig so.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Na, erkennt Ihr Euch wieder? Waren das Aussagen, die Ihr noch vor einigen Wochen get\u00e4tigt habt? Ich hoffe nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, dass Euch Euer Bauchgef\u00fchl direkt davon abgehalten hat, so blau\u00e4ugig an das Thema heranzugehen und Ihr sofort bemerkt habt, dass da gerade etwas Dummes und grundlegend Falsches passiert ist. Eine Dummheit, die eigentlich selbst jungen Aktivisten nach der ersten Rechtsschulung nicht mehr h\u00e4tte passieren d\u00fcrfen und Euch ganz sicher nicht passieren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Reihe nach\u2026 Ihr wisst gar nicht wovon ich rede?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich rede hiervon:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1003\" height=\"876\" src=\"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ThueringerAllgemeine_KampagnenStopp_Wieschke.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-171\" srcset=\"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ThueringerAllgemeine_KampagnenStopp_Wieschke.png 1003w, https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ThueringerAllgemeine_KampagnenStopp_Wieschke-300x262.png 300w, https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/ThueringerAllgemeine_KampagnenStopp_Wieschke-768x671.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1003px) 100vw, 1003px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, nat\u00fcrlich nicht dar\u00fcber, dass die Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr politische Gefangene gestoppt und Patrick Wieschke richtigerweise von dem Material entfernt wurde, sondern von den Hintergr\u00fcnden, die dazu f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Patrick Wieschke war am 14. Dezember 2023 wegen der Unterst\u00fctzung einer \u201erechtsextremistischen kriminellen und terroristischen Vereinigung\u201c festgenommen worden. (<a href=\"https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-14-12-2023.html?nn=1650120\">https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-14-12-2023.html?nn=1650120<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-15-12-2023.html?nn=1650120\">https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-15-12-2023.html?nn=1650120<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Zeit lief bereits seit August 2023 das Gerichtsverfahren gegen vier Angeklagte vor dem Oberlandesgericht Jena f\u00fcr das im Mai 2023 Anklage erhoben worden war. (<a href=\"https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-15-05-2023.html?nn=1650120\">https:\/\/www.generalbundesanwalt.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/Pressemitteilung-vom-15-05-2023.html?nn=1650120<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Abseits der Scheinwelt, die \u00fcber soziale Medien tagt\u00e4glich verbreitet wird, begannen \u2013 einige Tage  nach der Ver\u00f6ffentlichung des Fotos mit den vielen sich solidarisch erkl\u00e4renden DIE HEIMAT Funktion\u00e4ren &#8211; die Diskussionen dar\u00fcber, dass Patrick Wieschke am 24. Januar 2024 im Rahmen einer Haftpr\u00fcfung Aussagen get\u00e4tigt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Umfangreiche Aussagen, beinah 50 Seiten in der Verschriftung. Die Verwunderung dar\u00fcber, dass jemand wie Patrick Wieschke, ein seit den 90er Jahren aktiver Nationalist und zumindest in Th\u00fcringen bekannter NPD \/ HEIMAT Funktion\u00e4r, nach wenigen Wochen Haft so eine Aussage abliefert, war bei vielen Leuten sp\u00fcrbar gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kannte ihn halt, und es schien immer so, dass es um ihn herum in Eisenach auch einen Kameradenkreis gab, der sich bis in b\u00fcrgerlichere Kreise zog. Das Projekt \u201eFlieder Volkshaus\u201c ist untrennbar mit seinem Namen verbunden, und schon daher ist Patrick Wieschke zumindest in nationalen Kreisen auch bundesweit bekannt. Man geht eigentlich davon aus, dass jemand, der \u00fcber viele Jahre in nationalen Zusammenh\u00e4ngen sozialisiert wurde und auch bundesweite Bekanntheit erreicht hat, die \u201aSpielregeln\u2018 kennt.<\/p>\n\n\n\n<p>All das sind Gr\u00fcnde, die sein Handeln auch abseits der Grenzen Eisenachs interessant machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte es an der Stelle nat\u00fcrlich einfach kurz machen:<br><strong>Nationale Aktivisten arbeiten nicht mit Ermittlungsbeh\u00f6rden zusammen. Punkt. Wer sich anders verh\u00e4lt, ist ein Sch\u00e4dling an der Gemeinschaft, eine Gefahr f\u00fcr alle und geh\u00f6rt ausgeschlossen und isoliert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So weit, so richtig, aber diese Reaktion ist bei vielen Leuten nicht eingetreten. Stattdessen kam es zu \u00c4u\u00dferungen wie den von mir zu Beginn dieses Textes zitierten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eSven, Du bist weit weg von Eisenach und bist nicht einmal Mitglied einer Partei, geschweige denn von DIE HEIMAT. Wieso meldest gerade Du Dich denn jetzt dazu zu Wort?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil sich aus Patrick Wieschkes Handlungen gef\u00e4hrliche und falsche Schlussfolgerungen ergeben und das irgendwer ansprechen muss. Eigentlich m\u00fcsste es jeder tun und h\u00e4tte es l\u00e4ngst jeder tun m\u00fcssen, der politisch denkt und nicht nur nach pers\u00f6nlichen Sympathien urteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte gehofft und es eigentlich auch erwartet, dass aus Kreisen der Partei DIE HEIMAT unmittelbar die notwendigen Konsequenzen gezogen werden und so deutlich wird, dass die Partei sich wirklich &#8211; also nicht nur im Namen &#8211; ver\u00e4ndert hat. Das ist nicht passiert. Im Gegenteil. Patrick Wieschke ist in der Zwischenzeit sogar noch als Zeuge der Generalbundesanwaltschaft vor Gericht gegen die vier bereits angeklagten Kameraden aufgetreten, ist wieder frei und geistert wieder durch die Social Media-Kan\u00e4le der Partei DIE HEIMAT.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige namenhafte Vertreter der Partei reagierten unmittelbar auf seine R\u00fcckkehr in die sogenannte Freiheit, allerdings nicht mit Konsequenzen, sondern mit \u00f6ffentlichen Gl\u00fcckw\u00fcnschen und Schulterklopfen. Absolut erschreckendes Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, dass es auch innerhalb der Partei bis hinauf in die F\u00fchrungsebene andere Haltungen zu seinem Verhalten gab. Diese Haltung ist bisher aber h\u00f6chstens im privaten Austausch ge\u00e4u\u00dfert worden, vielleicht auch in irgendeinem Antrag geendet, hat aber auf jeden Fall nicht zu einer \u00f6ffentlich wahrnehmbaren Reaktion gef\u00fchrt. Die w\u00e4re meiner Meinung nach aber sehr n\u00f6tig gewesen! Unmittelbar und nicht erst in einigen Monaten, wenn hinter verschlossenen T\u00fcren irgendwelche Gremien dar\u00fcber lang und breit diskutiert haben. Die Faktenlage ist n\u00e4mlich v\u00f6llig klar und nichts, was durch irgendeine Erkl\u00e4rung relativiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso ich das so behaupten kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich genau wei\u00df, wor\u00fcber ich rede. Ich wurde im Jahr 2012 selbst wegen eines Verfahrens wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung festgenommen, habe dann 22 Monate in Untersuchungshaft gesessen und mich insgesamt \u00fcber 7 Jahre in mehr als 400 Verhandlungstagen vor dem Landgericht Koblenz wegen dieses Vorwurfs verteidigen m\u00fcssen. Man kann also gut und gerne behaupten, dass ich aus eigener Erfahrung wei\u00df, wie man sich in so einer Situation f\u00fchlt und wie das Spiel dann funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe in der gesamten Zeit &#8211; anders als Patrick Wieschke &#8211; keinerlei Aussagen gegen\u00fcber Ermittlungsbeh\u00f6rden gemacht und bin bis heute davon \u00fcberzeugt, dass dies der beste Ansatz war und ist, wenn man nicht nur das eigene Wohl in den Fokus stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fchle mich bis heute tief mit all den Kameraden verbunden, die damals mit mir angeklagt waren und nie einen Alleingang gemacht haben, die genauso in Untersuchungshaft sa\u00dfen, alle Strapazen mitgetragen und nie aufgegeben haben. So wild zusammengew\u00fcrfelt der Haufen auch war, den die Beh\u00f6rden damals durch ein Ermittlungsverfahren, Haftbefehle und Anklageschrift in einem Gerichtssaal zusammengepfercht hatten, den Geist der Angeklagten, die sich nicht korrumpieren lie\u00dfen, w\u00fcnsche ich jedem, der sich mal in einem gr\u00f6\u00dferen Verfahren wiederfinden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich empfinde das Verhalten von Patrick Wieschke in dem \u201eKnockout51 Verfahren\u201c daher als zutiefst absto\u00dfend, verachtenswert, falsch und &#8211; wenn es Mode macht &#8211; auch als gef\u00e4hrlich. Daher \u00e4u\u00dfere gerade ich mich dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich tiefer einsteige, hier f\u00fcr all die Leute, bei denen die Meldungen \u00fcber Razzien und gro\u00dfe Gerichtsverfahren in der Flut von Meldungen einfach untergehen, denen der Hintergrund aber wichtig erscheint, ein Link mit ein paar Hintergr\u00fcnden. (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Knockout_51\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Knockout_51<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist Wikipedia bei so einem Verfahren keine Quelle, auf die man irgendeine Bewertung der Vorw\u00fcrfe st\u00fctzen sollte, aber f\u00fcr die Beschreibung des Rahmens reichen die Infos aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss die konkreten Hintergr\u00fcnde gar nicht kennen oder gar tausende Seiten Ermittlungsakte gelesen haben, um zu einer Einsch\u00e4tzung \u00fcber richtig und falsch zu kommen. Ich habe &#8211; abgesehen von der verschrifteten Aussage des Haftpr\u00fcfungstermins am 24.01.24 &#8211; die Ermittlungsakte auch nicht gelesen. Die Aussage reicht v\u00f6llig, wenn man sich objektiv dem Thema n\u00e4hert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Grunds\u00e4tzlichkeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Strafverteidiger r\u00e4t seinem Mandanten im Falle eines Strafverfahrens, erst einmal die Aussage zu verweigern. Das geh\u00f6rt zum Strafverteidiger 1&#215;1 und hat gar nichts mit dem jeweiligen Vorwurf oder den politischen Auffassungen des Beschuldigten zu tun. Es ist das Recht eines jeden Beschuldigten und darf auch nicht negativ gegen ihn ausgelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Rechtsschulungen empfehlen die Referenten immer, sich im Falle eines Ermittlungsverfahrens anwaltliche Hilfe zu holen und zumindest erst einmal Akteneinsicht zu beantragen, um einen \u00dcberblick dar\u00fcber zu erhalten, welche konkreten Vorw\u00fcrfe \u00fcberhaupt im Raum stehen. Danach entscheidet man im Idealfall in Absprache mit seinem Verteidiger, wie man sich am geschicktesten mit den Vorw\u00fcrfen auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Strafverfahren, in dem es nur einen einzigen Beschuldigten gibt, z. B einer K\u00f6rperverletzung, ist es in der Regel recht leicht abzuw\u00e4gen, wie man am besten weiter vorgeht. Gibt es keine Zeugen f\u00fcr den Vorwurf, sondern nur die Anschuldigung des angeblichen Opfers, ist schweigen sicher die beste Option. Wer nichts sagt, kann auch nichts Falsches sagen, und wenn es keine weiteren Beweise gibt, sollte das Verfahren eigentlich gar nicht zu einer Anklageerhebung f\u00fchren. Gibt es hingegen etliche Zeugen, die den Vorwurf best\u00e4tigen, k\u00f6nnte man durchaus \u2013 zusammen mit seinem Strafverteidiger \u2013 \u00fcberlegen, wie man m\u00f6glichst glimpflich aus der Sache wieder rauskommt. Wenn man dabei zu dem Schluss kommt, dass eine Aussage das Strafma\u00df reduzieren k\u00f6nnte, kann man je nach pers\u00f6nlichem Geschmack durchaus dar\u00fcber nachdenken. Macht man dann eine Aussage, schadet man keinem anderen \u2013 es gibt ja keine Mitangeklagten.<\/p>\n\n\n\n<p>Abseits eines solchen Beispiels ist es leider oft nicht ganz so einfach, schon gar nicht als Nationalist, der in einem System lebt, das sich selbst auf die Fahne geschrieben hat, alle politische Str\u00f6mungen zu bek\u00e4mpfen, die es unter dem Sammelbegriff \u201erechtsextrem\u201c zusammengefasst hat.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren ist die Anzahl der Ermittlungsverfahren, die wegen Bildung einer kriminellen (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__129.html\">\u00a7129 StGB<\/a>) oder gar terroristischen (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__129a.html\">\u00a7129a StGB<\/a>) Vereinigung eingeleitet wurden, enorm gestiegen. Das liegt meiner Ansicht nach (leider) nicht daran, dass die Gefahr, die durch \u201erechtsextreme\u201c Gruppen droht, so enorm zugenommen hat, sondern daran, dass es im Rahmen solcher Ermittlungsverfahren deutlich leichter ist, auch gro\u00dfe \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen genehmigt zu bekommen. Selbst wenn am Ende der Ermittlungen nichts von der initial unterstellten kriminellen Vereinigung \u00fcbrigbleibt, werden dabei doch immer umfangreiche Erkenntnisse \u00fcber die \u00fcberwachten Personen und Strukturen gewonnen, und man muss kein besonders cleverer Kopf sein, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass die jeweiligen lokalen Staatsschutzabteilungen von diesen Erkenntnissen danach auch noch jahrelang zehren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Finden sich bei solchen Ermittlungen doch einmal tats\u00e4chliche oder mit ausreichend Fantasie konstruierte Hinweise auf die Existenz einer solchen Vereinigung, haben die Strafverfahren f\u00fcr Ermittlungsbeh\u00f6rden den Vorteil, dass auch Menschen verurteilt werden k\u00f6nnen, die selbst gar keine Straftaten begangen haben. F\u00fcr die Verurteilung als Unterst\u00fctzer oder gar Mitglied einer kriminellen oder terroristischen Vereinigung kann es durchaus ausreichend sein, dass das Gericht zu der Einsch\u00e4tzung kommt, dass ein Angeklagter Kenntnis von begangen Straftaten hatte und sie bzw. den Gruppenwillen mitgetragen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt f\u00fcr Leute, die sich nicht mit der Materie auseinandergesetzt haben, sicherlich verr\u00fcckt, aber genau so l\u00e4uft es in solchen Verfahren. Es ist also klar, dass im Rahmen eines solchen Ermittlungsverfahrens jedem Wort eines Beschuldigten oder Angeklagten eine andere Bedeutung zukommt und immer auch dar\u00fcber nachgedacht werden muss, dass auch jede Einlassung, die einen einzelnen vielleicht entlasten k\u00f6nnte, sehr negative Konsequenzen f\u00fcr alle Mitangeklagten haben kann. Niemand kann in einem so komplexen \u00fcber Monate oder gar Jahre laufenden Gerichtsverfahren absehen, wie sich Anklagevertreter und Gericht die einzelnen Brocken zusammensetzen. Juristen sprechen dabei gern von der Mosaiktheorie, weil einzelne Punkte, die f\u00fcr sich genommen v\u00f6llig harmlos wirken, wie Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild &#8211; dem Urteil am Ende eines Verfahrens \u2013 beitragen k\u00f6nnen. Es ist daher logisch, dass die Chancen f\u00fcr eine gute Verteidigung steigen, umso weniger Mosaiksteinchen vorliegen, um das Gesamtbild zu komplettieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kluge Angeklagte, der nicht nur an sich, sondern am Wohl aller anderen Beschuldigten interessiert ist, wird also zumindest so lange die Aussage verweigern, bis man sich im Rahmen aller Beschuldigten abgestimmt hat, wie man mit den Vorw\u00fcrfen umgehen will!<\/p>\n\n\n\n<p>Das mag f\u00fcr gew\u00f6hnliche Kriminelle abwegig klingen, aber von weltanschaulich gepr\u00e4gten Menschen, die jeden Tag Leben und Freiheit daf\u00fcr riskieren, dass sich in diesem Land etwas \u00e4ndert und es ihrem Volk eines Tages wieder besser geht, ist diese solidarische Haltung gegen\u00fcber jedem Kameraden eine Mindestanforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher war ich davon \u00fcberzeugt, dass dieser Konsens gerade im Kreis von \u00fcber lange Jahre aktiven Nationalisten und F\u00fchrungskameraden vorherrscht und im Ernstfall auch entsprechend gehandelt wird. Das hat Patrick Wieschke nicht getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zu den als Begr\u00fcndung oder Entschuldigung von Kameraden get\u00e4tigten Aussagen, die ich zur Einleitung des Textes zitiert hatte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Lasst uns erstmal abwarten, was er dazu sagt. Er ist in Haft. Er kann das sicher erkl\u00e4ren<\/strong>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erkl\u00e4rt hat er gar nichts. Wie auch? Es gibt nichts, womit man sein Verhalten rechtfertigen k\u00f6nnte. Stattdessen gab es bei Facebook ein Video, in dem er sich zur\u00fcck aus dem Gef\u00e4ngnis gemeldet hat und stolz hinzuf\u00fcgte, dass er &#8211; noch bevor er nach Hause zu seinen Katzen gegangen w\u00e4re &#8211; auf einer Besprechung zum Kommunalwahlkampf in Eisenach gewesen sei. Die Logik dahinter sollte wohl sein, dass er nach seinem Verrat direkt wieder Dienst an der Wahlkampffront geschoben hat. Na, wenn das mal keine Erkl\u00e4rung war\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em><strong>Sein Anwalt ist immerhin \u201aeiner von uns\u2018 und war dabei. Das ist sicher alles abgesprochen gewesen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Patrick Wieschkes Anwalt ist Peter Richter, also ein DIE HEIMAT Parteikamerad. Richter wurde bereits kurz nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt recht bekannt durch seine Arbeit im zweiten NPD-Verbotsverfahren. Bereits als Student fiel er durch \u00fcberdurchschnittliche Leistungen auf und gilt bis heute als ein sehr guter Jurist, dessen Schwerpunkt allerdings nicht in der Strafverteidigung liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von au\u00dfen betrachtet h\u00e4tte es Patrick Wieschke bei der Wahl seines Verteidigers also deutlich schlechter treffen k\u00f6nnen. Wie die Beziehung zwischen Anwalt und Mandant aussieht, wissen allerdings nur die beiden. Klar ist, dass beide Seiten durch das gemeinsame Interesse verbunden sein d\u00fcrften das Strafverfahren m\u00f6glichst glimpflich erledigt zu bekommen. Welcher Partei Anwalt und Mandant angeh\u00f6ren, ob sie eine gemeinsame Weltanschauung teilen oder nicht, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Der Strafverteidiger unterliegt immer der Verpflichtung zur Verschwiegenheit und ist dazu immer verpflichtet, die Interessen des Beschuldigten zu vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwer davon auszugehen, dass es zwischen Wieschke und Richter einen intensiven Austausch dar\u00fcber gegeben haben wird, ob Wieschke aussagen soll oder dies eben besser nicht tun sollte. Welchen Standpunkt Peter Richter dabei eingenommen haben wird, h\u00e4ngt sicher von vielen Faktoren ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon erw\u00e4hnt, vertreten Strafverteidiger nur ihren Mandanten. Eine Pflicht \u00fcber die Folgen einer Aussage f\u00fcr alle anderen Beschuldigten\/Angeklagten nachzudenken gibt es nicht und der leichteste Weg heraus aus der U-Haft ist immer die Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbeh\u00f6rden. Vor allem in komplexen Verfahren sind Einlassungen von Beschuldigten, die andere Mitangeklagte belasten, ein ziemlich sicheres Ticket zur\u00fcck in die sogenannte Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Theoretisch w\u00e4re es also schon denkbar, dass Peter Richter seinem Mandanten den Rat gegeben haben k\u00f6nnte auszusagen. Es ist nicht unm\u00f6glich, dass die gemeinsame Parteizugeh\u00f6rigkeit eine Zusammenarbeit von Wieschke mit den Ermittlungsbeh\u00f6rden attraktiv erscheinen lie\u00df, um die Partei von dem Vorwurf zu befreien \u201eTerroristen\u201c zu unterst\u00fctzen und Wieschke schnell wieder aus dem Knast zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe lange \u00fcber diese M\u00f6glichkeit nachgedacht, vor allem auch nach dem Verhalten, das viele Funktion\u00e4re nach Wieschkes Haftentlassung ihm gegen\u00fcber an den Tag gelegt haben. Ich mag es aber eigentlich nicht glauben, dass ein ausgezeichneter Jurist &#8211; selbst wenn Strafrecht nicht sein T\u00e4tigkeitsschwerpunkt ist &#8211; neben seinem Mandanten sitzt und seelenruhig mit dem Gef\u00fchl das Richtige zu tun, solche Aussagen begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Richter war bei der m\u00fcndlichen Haftpr\u00fcfung Wieschkes vom 24.01.2024 anwesend, er sa\u00df neben seinem Mandanten w\u00e4hrend der Aussage. Was davon abgesprochen war und was nicht, wissen nur die beiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte Peter Richter Patrick Wieschke von der Aussage abgeraten haben und dieser trotzdem auf der Aussage bestanden haben, dann muss er als sein Verteidiger diesen Entschluss mittragen, egal f\u00fcr wie dumm er ihn h\u00e4lt. Ob seine Verschwiegenheitspflicht als Verteidiger ihn dann sogar dazu zwingt seine eigene Sicht \u00fcber diesen Schritt gegen\u00fcber anderen f\u00fcr sich zu behalten, ist so einfach sie klingt wahrscheinlich eine gar nicht so einfach zu beantwortende juristische Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist aber auch unerheblich f\u00fcr den Fall. Fakt ist, dass die gelieferten Aussagen in dem Verfahren niemandem geholfen haben werden au\u00dfer Patrick Wieschke und den Vertretern der Anklage. F\u00fcr alle anderen in dem Verfahren Beschuldigten sind sie sicher negativ gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em><strong>Er hat nichts ausgesagt, was nicht schon nach Aktenlage klar war.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Klingt nach einem tollen Argument. Zu Ende gedacht h\u00e4tte Patrick Wieschke so also quasi \u00fcberhaupt keine neue Aussage geliefert, weil alles, was er gesagt hat, ohnehin schon durch die Ermittlungen festgestanden h\u00e4tte. Dummerweise deckt sich das nicht mit den Fakten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussage enth\u00e4lt etliche Stellen, die so sicher nicht in den Akten zu finden waren, also neue Mosaiksteine liefern. Aber selbst wenn es so w\u00e4re und alles irgendwie auch in den Ermittlungsakten zu finden w\u00e4re, verkennt man bei dieser verdrehten Logik wie Strafverfahren in Deutschland funktionieren. Ein Verfahrensgrundsatz ist dabei n\u00e4mlich das M\u00fcndlichkeitsprinzip. Das Gericht soll \u201enach seiner freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung gesch\u00f6pften \u00dcberzeugung\u201c entscheiden. (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__261.html\">\u00a7261 StPO<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Was in der Hauptverhandlung nicht vorgetragen wird, spielt f\u00fcr die Urteilsfindung keine Rolle und jeder, der einmal in einem gr\u00f6\u00dferen Verfahren gesessen hat, wei\u00df, dass es teilweise enorme Unterschiede gibt zwischen dem, was in Ermittlungsakten steht, und dem, was am Ende im Gerichtssaal aufgeboten wird. Es klingt f\u00fcr Au\u00dfenstehende vielleicht verr\u00fcckt, aber die Protokollierung von Zeugenaussagen ist leider h\u00e4ufig sehr tendenzi\u00f6s und ganz im Geiste des laufenden Ermittlungsverfahrens erfolgt, so tendenzi\u00f6s, dass vor Gericht auch von verschrifteten Zeugenaussagen, auf die sich gro\u00dfe Teile einer Anklageschrift st\u00fctzen, oft nicht viel \u00fcbrig bleibt, wenn man den Zeugen in einer laufenden Hauptverhandlung h\u00f6rt und befragt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich sieht es beispielsweise aus, wenn man mitgeschnittene Telefonate w\u00e4hrend der Verhandlung abspielt und dabei mit der Verschriftung vergleicht. Dinge, die in der Verschriftung durch Ermittlungsbeh\u00f6rden besonders hervorgehoben werden, sind oft aus dem Zusammenhang gerissen und bekommen dadurch einen ganz anderen Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag sein, dass es im Knockout51-Verfahrenskomplex anders ist, alle Zeugenaussagen genau protokolliert worden sind, keine Gespr\u00e4chsfetzen aus dem Zusammenhang gerissen wurden und alles so korrekt wie m\u00f6glich gehandhabt worden ist. Es w\u00fcrde mich zwar stark \u00fcberraschen, wenn es in diesem Verfahren so w\u00e4re, aber nichts ist unm\u00f6glich habe ich mir mal sagen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>So wenig wie ich sagen kann, dass alles genau so stimmt wie es in den Akten steht, kann es irgendwer anderes nur anhand der Aktenlage vor dem Ende Hauptverhandlung sagen. Das Argument, dass Patrick Wieschke nur das ausgesagt hat, was nach Aktenlage klar ist, ist auf jeden Fall nicht haltbar. Patrick Wieschke hat mit seiner Aussage bei der m\u00fcndlichen Haftpr\u00fcfung und der einige Zeit sp\u00e4ter folgenden Zeugenaussage im Verfahrenszug gegen die vier bereits Angeklagten wesentliche Mosaiksteine geliefert und damit die Position der Ankl\u00e4ger gest\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em><strong>Da zerst\u00f6ren Leute sein Lebenswerk und das ist er einfach nicht bereit hinzunehmen, also verteidigt er sich und das ist v\u00f6llig richtig so.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein interessantes Argument, was auch in der Vernehmung bei seiner m\u00fcndlichen Haftpr\u00fcfung Ankn\u00fcpfpunkte findet in dem, was er zu seiner Gef\u00fchlslage zu den Vorw\u00fcrfen \u00e4u\u00dfert. Falsch ist es trotzdem, so viel vorneweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieschke startete seine Einlassung mit einer alten Geschichte, die bis dahin nicht Teil der Ermittlungsakte war. Dabei ging es um eine Streitigkeit zwischen ihm und ein paar nicht namentlich genannten Kameraden aus Eisenach von denen er aber angibt, dass es heute ebenfalls Beschuldigte im Knockout51-Verfahren w\u00e4ren. Die Geschichte ist so trivial wie irrelevant, aber sie ist sein Einstieg um darauf aufbauend festzustellen, dass er sich immer gegen Straftaten \u2013 in dem Fall eine Sachbesch\u00e4digung in Form eines Graffitis \u2013 positioniert habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das will ich ihm &#8211; trotz seiner Vita zu der auch ein l\u00e4ngerer Haftaufenthalt wegen eines Anschlags auf einen D\u00f6ner-Laden geh\u00f6rt \u2013 dann auch mal glauben. Sein Weg in den letzten Jahren wirkte zumindest aus der Ferne betrachtet stets b\u00fcrgernah und angepasst. Vielleicht hat er also nach einer etwas eskalierten jugendlichen Sturm und Drang-Phase einen anderen Weg oder Politikstil gefunden. <br>Ob der richtig oder falsch ist, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist aber, dass ihm wohl niemand vorwerfen wird etwas umgedacht zu haben, denn die Idee, dass ausgebrannte D\u00f6nerbuden den Weg ins Herz des deutschen Michels ebnen k\u00f6nnten, ist nun einmal offenkundig falsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob man so weit gehen kann, dass man von einem Lebenswerk sprechen kann, bei dem, was er in Eisenach auf den Weg gebracht hat, ist wohl eine Geschmacksfrage. Patrick Wieschke hat versucht, eine nationale Opposition zum Anfassen zu etablieren, inklusive eines Treffpunktes \u2013 dem Flieder Volkshaus &#8211; in dem sich jeder Eisenacher mit nationalen Ansichten willkommen f\u00fchlen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwieweit das gelungen ist oder ob er nur eine andere Form von Nischenpolitik, gepr\u00e4gt von Schlagerparties und darauffolgendem Fr\u00fchschoppen, geschaffen hat, k\u00f6nnen nur die Leute vor Ort beurteilen. Sein sehr b\u00fcrgerlicher Politikstil ist dabei auf jeden Fall in den vergangenen Jahren oft auf Konfrontationskurs mit der sonst im Widerstand gepflegten Praxis gegangen. All das ist nichts, was man ihm f\u00fcr sich genommen vorwerfen kann, schon gar nicht von au\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was man ihm allerdings vorwerfen kann und muss, ist, ein offensichtlicher Mangel an F\u00fchrungsqualit\u00e4ten. Wenn man seinen Aussagen glauben darf, hatte er eine klare Vorstellung davon, was seiner Meinung nach politisch legitim war und was nicht. Die Vorw\u00fcrfe, die zur Anklage gegen die \u201eKnockout51\u201c gef\u00fchrt haben, sollen ihn \u00fcberrascht haben, er habe sich verraten gef\u00fchlt und im Grunde will er keinerlei Kenntnisse von irgendetwas gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das wirklich so w\u00e4re, dann w\u00e4re seine Festnahme nat\u00fcrlich eine Farce und eine Ungerechtigkeit, die er pers\u00f6nlich am unangenehmsten finden wird. Allerdings h\u00e4tte seine Aussage, wenn das alles so stimmen w\u00fcrde, mit einem einzigen Satz abgeschlossen gewesen sein m\u00fcssen: <em>\u201eIch wusste von all den Dingen nichts und kann daher zu den Vorw\u00fcrfen nichts weiter sagen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hat er aber nicht gesagt. Er hat 46 Seiten lang \u00fcber andere Beschuldigte geredet. \u00dcber Dinge, die irgendwie passiert sein sollen, \u00fcber Dinge, die er irgendwie geh\u00f6rt oder mitbekommen habe, \u00fcber seine Sicht auf die Charakter anderer Beschuldigter und \u00e4hnliches.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst wenn man ihm glauben mag, dass er von einigen Punkten erst aus der Akte erfahren haben will, ist die Behauptung, dass man von all dem nichts wusste, nicht mit seinen Aussagen bei der Haftpr\u00fcfung oder sp\u00e4ter als Zeuge vor Gericht in Einklang zu bringen. \u00dcber Dinge \u00fcber die man nichts gewusst hat, kann man n\u00e4mlich einfach keine Aussagen machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das also alles eine Schutzbehauptung? Es spricht zumindest alles daf\u00fcr. Eine Schutzbehauptung, um sein sch\u00e4biges Verhalten zu verdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber versuchen wir mal die Indizienlage etwas zu entwirren. Patrick Wieschke ist nach allem, was wir wissen, seit vielen Jahren ein F\u00fchrungskader in Th\u00fcringen und seiner Heimatstadt Eisenach. Er war lange Jahre JN Landesvorsitzender, war mal Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, mal Landespressesprecher, mal Landesvorsitzender der NPD und ist im Moment Bundesorganisationsleiter der aus der NPD hervorgegangenen Partei DIE HEIMAT. Er ist also genau das, was man sich von au\u00dfen betrachtet wohl unter einem F\u00fchrungskader vorstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrung bedeutet, dass man das Verhalten von Menschen beeinflusst, um vorgegebene Ziele zu erreichen. Das ist nicht immer einfach und es geh\u00f6rt oft dazu, dass man auch Entscheidungen treffen muss, die anderen Menschen nicht passen. Solche Entscheidungen sind manchmal aber n\u00f6tig, um die Zusammenarbeit an dem gemeinsamen Ziel nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00f6\u00dft man dabei auf Menschen, die durch ihren Ansatz das vorgegebene Ziel zu gef\u00e4hrden drohen, bedeutet das auch, dass man &#8211; trotz vielleicht vorhandener punktueller \u00dcberscheidungen &#8211; nicht davor zur\u00fcckschrecken darf, diese Leute aus den eigenen Zusammenh\u00e4ngen zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich nun Patrick Wieschkes Aussagen an, muss er viele Dinge wahrgenommen haben, die nicht dem Politikstil, den er gern sehen w\u00fcrde, entsprochen haben. H\u00e4tte er sie nicht wahrgenommen, h\u00e4tte er sonst sp\u00e4ter schlie\u00dflich keine Aussagen dazu machen k\u00f6nnen. Wenn er sie aber wahrgenommen und geduldet hat, kann er im Nachhinein nicht so tun, als w\u00e4re er hintergangen worden. Genau das versucht er aber alle glauben zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er als verantwortungsvoller F\u00fchrungskader eine Gefahr f\u00fcr seinen Weg gesehen h\u00e4tte, h\u00e4tte er die Leute ausgrenzen m\u00fcssen und sie nicht weiter in seine Strukturen einbinden d\u00fcrfen. Die Verbindungen sind aber eng gewesen. Die anderen in dem Verfahren Beschuldigten sind nicht nur G\u00e4ste im Flieder Volkshaus gewesen, sondern waren zum Teil Vorstandskollegen. Sie haben Funktionen wie die Absicherung von Veranstaltungen \u00fcbernommen oder haben sich in Abstimmung mit ihm um die Absicherung des Geb\u00e4udes gek\u00fcmmert. All das steckt &#8211; genauso wie die im Sinne der Anklage erfolgten Schuldzuweisungen &#8211; in seiner Aussage vom 24.01.24.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Lebenswerk hat also sicher keiner der anderen Beschuldigten zerst\u00f6rt. Man kann aber durchaus einen Bogen spannen und sagen, dass Ermittlungsbeh\u00f6rden sein Lebenswerk durch eine aufgebauschte Geschichte angegriffen haben. Tragischerweise hat er diesen Angriff nur nicht so pariert, wie man es von einem F\u00fchrungskader erwarten w\u00fcrde. Statt sich vor die Angegriffenen zu stellen und mit ihnen zusammen an einer Verteidigung zu arbeiten, hat er statt zum Wohle aller nur zu seinem Wohl gehandelt. Er hat andere belastet und den Ermittlungsbeh\u00f6rden ordentlich Futter geliefert, mutma\u00dflich um m\u00f6glichst schnell aus der U-Haft entlassen zu werden. Nichts von dem, was er aussagte, was gegen die Vorw\u00fcrfe spricht, h\u00e4tte nicht in Form eines Beweisantrages w\u00e4hrend einer Hauptverhandlung genau so entkr\u00e4ftet werden k\u00f6nnen. Die Behauptung, mit seiner Aussage irgendwelche Vorw\u00fcrfe entkr\u00e4ften zu wollen, ist wieder nichts anderes als reiner Selbstschutz. Insgesamt ein ganz erb\u00e4rmliches Schmierentheater eines Menschen, der h\u00f6chstens als schlechtes Vorbild eine gute Figur abgibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manch einer mag sich fragen, wieso eine so umfangreiche Stellungnahme \u00fcberhaupt n\u00f6tig geworden ist. Alles steckte doch eigentlich bereits in der Einleitung. \u201eKeine Zusammenarbeit mit Ermittlungsbeh\u00f6rden.\u201c Richtig. W\u00fcrden sich alle daran halten und endlich anfangen, auf breiter Basis auch im Gerichtssaal Widerstand zu leisten gegen die Angriffe eines Systems, das immer mehr dazu neigt, Strafgesetze zum Angriff auf unliebsame Meinung zu missbrauchen, w\u00e4re all das nicht n\u00f6tig gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Minimum w\u00e4re gewesen, dass dort, wo es nicht so l\u00e4uft, wo ein F\u00fchrungskader seiner Verantwortung nicht gerecht wird, wo er auf eigene Faust einen anderen Weg w\u00e4hlt, einen Weg, der nur ihm nutzt, die notwendigen Konsequenzen, n\u00e4mlich der Ausschluss des Abweichlers aus allen aktiven Strukturen, zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte in den letzten Jahren in anderen F\u00e4llen auch recht vern\u00fcnftig funktioniert, hier aber halt nicht. Hier im Falle eines hochrangigen Funktion\u00e4rs einer Partei, die sich gern als Speerspitze des nationalen Widerstandes sieht, lief alles anders. Statt ihn seiner \u00c4mter zu entheben, ihn auszugrenzen und sein Verhalten als niedertr\u00e4chtig und falsch zu brandmarken, l\u00e4sst man ihn nach seiner Haftentlassung munter Aufrufe zur Wahlteilnahme \u00fcber die Kan\u00e4le der Partei verbreiten, als w\u00e4re nichts passiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/C74sxaANfnN\/?igsh=emZ4OGpzdGl5MmJ5\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"543\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Wieschke_WahlaufrufEuropawahl-543x1024.png\" alt=\"Wieschkes Wahlaufruf zur Europawahl 2024. Ver\u00f6ffentlicht auf dem Instagramkanal der Partei Die Heimat\" class=\"wp-image-172\" srcset=\"https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Wieschke_WahlaufrufEuropawahl-543x1024.png 543w, https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Wieschke_WahlaufrufEuropawahl-159x300.png 159w, https:\/\/www.rhein-rausch-randale.info\/RheinRausch\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Wieschke_WahlaufrufEuropawahl.png 738w\" sizes=\"(max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wieschkes Wahlaufruf zur Europawahl 2024. Ver\u00f6ffentlicht auf dem Instagramkanal der Partei DIE HEIMAT.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Passiert ist aber eine ganze Menge. Ohne die Vorw\u00fcrfe gegen die als \u201eKnockout51\u201c bekannt gewordenen Angeklagten alle im Einzelnen aufarbeiten zu wollen und zu k\u00f6nnen, bleibt das Gef\u00fchl, dass wieder einmal eine Gruppe junger Leute vom System kriminalisiert werden soll. Junge M\u00e4nner, die ihren Selbstschutz mit Kampfsport organisieren wollten, nachdem sie nachweislich und wiederholt von linken Attent\u00e4tern attackiert worden sind. Das passt nicht in den Zeitgeist dieser Republik, und es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass aus ein paar Kleinigkeiten und ein wenig \u00fcberm\u00fctigem Gerede eine kriminelle oder gar terroristische Vereinigung herbeifabuliert werden sollte. Schlimm genug, wenn solche Dinge passieren. Wenn dann noch aus den eigenen Reihen nicht solidarisch gehandelt wird, bleibt ein ganz mieser Nachgeschmack.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos mieser Nachgeschmack: Schaut man hinter den Kulissen einmal genauer hin, merkt man erst, wie mies der Nachgeschmack selbst bei den anst\u00e4ndigen Kameraden in der Partei DIE HEIMAT sein muss. Wenn selbst die Mitglieder des Parteivorstandes \u00fcber das Aussageverhalten ihres Parteigenossen im Unklaren gelassen werden, damit es noch f\u00fcr ein Bild hinter einem Solidarit\u00e4tsbanner reicht, w\u00e4re ich an ihrer Stelle schon sehr ver\u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ich nicht falsch verstanden werde: Klar ist, dass Rechtsanwalt Peter Richter selbstverst\u00e4ndlich auch an der Stelle an seine Verschwiegenheitspflicht gebunden war, allerdings gab es zu der Zeit bereits mindestens ein Mitglied des Vorstands zu dessen Gunsten die Schweigepflicht durch Patrick Wieschke aufgehoben war. Es muss also davon ausgegangen werden, dass mindestens ein Mitglied des Parteivorstands \u00fcber das Aussageverhalten von Patrick Wieschke Bescheid wusste, als man am Rande einer Parteivorstandssitzung das Soli-Bild mehrere Wochen nach den Aussagen aufnahm. Jemand, der mich so h\u00e4tte ins Messer laufen lassen, h\u00e4tte mein Vertrauen f\u00fcr immer verspielt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Sei es wie es sei\u2026 So wird das nie etwas mit der Speerspitze des Widerstands im Kampf um Deutschland. Solches Verhalten und so viel Mangel an F\u00fchrungsst\u00e4rke st\u00f6\u00dft anst\u00e4ndige Menschen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, dass ich mit diesem Text wieder viele Leute ver\u00e4rgern werde, aber das macht ihn nicht weniger notwendig. Er w\u00e4re nicht geschrieben worden, wenn Ihr anst\u00e4ndig mit der Situation umgegangen w\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, dass dieser Text zumindest f\u00fcr die gutherzigen Kr\u00e4fte in der Partei DIE HEIMAT ein Weckruf ist, nicht l\u00e4nger wegzusehen. Sprecht Eure Landesvorsitzenden und andere Funktion\u00e4re an und fragt sie, wie sie solches Verhalten hinnehmen k\u00f6nnen. Fragt sie ruhig nach den Aussagen und lasst Euch dabei nicht mit irgendwelchen Floskeln abspeisen. Wenn alles so anst\u00e4ndig gewesen w\u00e4re, wie Patrick Wieschke alle gern glauben machen w\u00fcrde, kann er gar kein Problem damit haben, das Protokoll der Aussagen jedem interessierten Kameraden zug\u00e4nglich zu machen. Dies wird er aber nicht tun!<\/p>\n\n\n\n<p>Fordert endlich Konsequenzen und sorgt mit daf\u00fcr, dass aus der Partei vielleicht doch noch irgendwann ein Werkzeug werden kann, welches im Kampf um Deutschlands Freiheit am Ende nicht nur Randnotiz ist, sondern als Heimat f\u00fcr Idealisten taugt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachsatz:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich anfing diesen Text zu schreiben, war mir klar, dass ich ihn erst nach den Wahlterminen ver\u00f6ffentlichen werde, um keinen Nebenkriegsschauplatz zu er\u00f6ffnen, wo mir irgendwelche Irrl\u00e4ufer unterstellen, dass solche Diskussionen irgendwelche W\u00e4hlerstimmen kosten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals dachte ich noch, dass ich zum Abschluss Patrick Wieschke pers\u00f6nlich auffordern w\u00fcrde seine Posten niederzulegen und wenigstens im Nachgang etwas Charakter zu beweisen und Verantwortung f\u00fcr sein Handeln zu \u00fcbernehmen. Allerdings sagte der Flurfunk der letzten Tage, dass in der Ermittlungsakte Indizien zu finden sind, die abgesehen von der ganzen Aussagethematik Patrick Wieschke ohne lange Diskussion als Persona non grata einordnen lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir fehlen dazu die Hintergr\u00fcnde, allerdings reicht mir schon der sichere Hinweis darauf, um mir jeden Appell an sein Ehrgef\u00fchl zu sparen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt nicht selten vor, dass ich mich dabei ertappe, wie ich den Kopf sch\u00fcttle \u00fcber den Irrsinn, der sich Tag f\u00fcr Tag im nationalen Spektrum so ereignet. Vieles davon ignoriere ich oder schaue erst einmal, wie es sich entwickelt und andere damit umgehen. 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